Herz oder Verstand? Und warum überhaupt?

Wann weiß ich ob mein Herz oder mein Verstand mit mir spricht?
Ich habe mir heute mal wieder seit längerem ein Webinar angeschaut, bei dem die Frage gestellt wurde, wie man erkennt, ob nun das Herz mit einem spricht oder der Verstand.

Da kamen einige Antworten und doch war ich nicht wirklich ganz zufrieden damit und so fühlte ich für mich nach, wie ich unterscheide, wer wann mit mir spricht.

Im Webinar wurde gesagt, dass das Herz leise ist und dann ergänzt, es wären „weiche“ Worte.
Ja, das sehe ich auch so.
Was aber für mich noch einmal ganz klar wurde, als ich dem so nachspürte, war dieses „tun, um zu..“ Der Verstand will immer irgendetwas um irgendetwas zu erreichen. Und so kam ich darauf, noch einmal darüber nachzudenken, was Kinder machen. Und interessant war, dass auch beim Webinar im Verlauf auch auf sie eingegangen wurde.

Sie verstehen die Liebe noch am Besten, weil sie sie nicht verstehen, sondern SIND! Und so könnte ich fast behaupten, sie zeigen uns den Weg!
Kinder sind neugierig, aber nicht weil man ihnen gesagt hat, es sein zu sollen…sie sind es einfach! Sie wollen wissen, aber nicht aus dem Verstand, sie lassen sich auf etwas ein, dass sie nicht kennen und von dem sie nicht wissen, was passieren wird. Sie klettern auf Möbeln herum, springen herunter, stehen auf, langen auf Kochplatten, obwohl man sie gewarnt hat, dass sie heiß ist.

Kinder tun Dinge, einfach weil sie sie tun MÖCHTEN! Sie tun (erst einmal) nichts, weil sie irgendetwas erreichen wollen. Erst wenn sie „gelernt“ haben (meist durch Liebesentzug), dass sie was erreichen sollen dann wird aus ihrem Tun eine Strategie.
Da fällt mir was witziges ein, was mein Enkel neulich erst gemacht hat, das erzähle ich euch: Meine Tochter hat ihm einen Lolly gegeben. Er saß auf seinem Hochstuhl und lutschte genüsslich daran herum. Dann nahm er den Lolly aus dem Mund, leckte über seinen Hochstuhl, dann wieder am Lolly und wieder am Hochstuhl. Meine Tochter schaute ihm etwas ungläubig zu und fragte ihn dann, was er da macht. Und er sagte einfach: Ich wollte wissen wie mein Hochstuhl schmeckt! Er ist fast 4 Jahre. Und ich fand diese Antwort einfach super genial! Verstehst du was ich meine?

Kinder werden erst noch vom Herzen geführt, von was auch sonst. Das Gehirn wird erst noch „programmiert“, während das Herz schon lange schlägt! Sag ich jetzt mal, genau aus dem Herzgefühl heraus und es klingt für mich abslout wahr!

Gestern erst, habe ich mit einer Frau gesprochen und sie erzählte mir von ihrem Kind. Seit 3 Jahren hängt ein Zettel am Kühlschrank, den ihr Sohn mit 6 Jahren geschrieben hat. Darauf stand: „Schümpf dich nicht selbst, ist doch dein Leben!“ Also es müsste „schimpfen“heißen, aber so hat er es halt geschrieben. Aber darum geht es nicht! Es geht um diesen wundervollen Inhalt!
Wenn ich solche Geschichten höre, bekomme ich immer Gänsehaut, einfach vor lauter Demut, den ich den Kindern entgegenbringe, weil sie noch so sehr verbunden sind mit sich und ihrem Leben! Und dann kommen wir, mit unserem Bla-bla-bla-Verstand!

Du weißt ganz genau, wenn dein Verstand mit dir spricht, wenn es heißt: „das kannst du doch nicht machen!“, „das geht nicht“, „stell dich nicht so an“. Um es auf den Punkt zu bringen: Der Verstand begrenzt dich, macht dich Klein, hält dich zurück, jagt dir eine Höllenangst ein.

Der Verstand ist ein Werkzeug, etwas zu erreichen. Gut, für manche Dinge ist er wirklich zu gebrauchen. Für Erfindungen, wobei ich mir da auch nicht so ganz sicher bin, denn ich glaube, manchmal führt uns auch eine Art Intuition zu einer Lösung einer Aufgabe. Und Intuition kommt nicht vom Verstand, es ist die Sprache des Herzens und des Vertrauens. Noch ein weiteres Merkmal des Herzens: Vertrauen!
Wenn du beginnst, zu lauschen, wer gerade spricht, wirst du erst gar nicht „verstehen“! Als ich vor ca. fast 4 Jahren mir inbrünstig wünschte, meinen Herzensweg zu gehen, also meinem Herzen zu folgen, sprach mein Leben zu mir! Alles was nicht vom Herzen kam, brach weg…mein Job, meine Beziehung, kein Zuhause mehr! Blääääm! SO hatte ich mir das nicht vorgestellt! Ich dachte der Herzensweg ist einfach. Oh nein, das ist er nicht! Aber es war dennoch ein Ruf in mir, ihm endlich wieder zu folgen, ich glaube, ich hätte nicht anders entscheiden können und das ist auch gut so.

Mein Leben war vorher ganz ok, ich hatte alles und es war ganz nett, mal so gesagt. Wobei ich immer wieder fühlen konnte, dass etwas „wichtiges“ fehlt. Nun, jetzt konnte ich mich auf die Suche machen, nachdem ja alles weggebrochen war, bis auf meine wundervollen Kinder und ein paar tolle Menschen um mich herum, die mir Kraft schenkten. Aber die entsprachen auch meiner Liebe, also auch meinem Herzen. Es kamen Situationen in mein Leben, die nicht zu meinem Herzensweg passten. Und das waren Situationen, die ich mit dem Verstand ausgemacht hatte.
Wie zum Beispiel mit einer Freundin zusammen ein Haus zu mieten, obwohl ich lieber alleine Leben wollte. Mein Herz sagte: „Ich will alleine wohnen, ich brauche es, um mich zu festigen und zu entfalten“. Mein Verstand sagte: „Oh nein! Alleine! Das schaffst du nicht! Wer will dir denn eine Wohnung geben, du verdienst doch viel zu wenig!“ Und so hörte ich auf den Verstand…ganz prima! Das Leben spricht auch in Symbolen mit uns, davon bin ich überzeugt. So zog ich nach Blindheim (Blind!!) und in die Bahnhofstraße (Bahnhof=Zwischenstation). Aber diese Situation machte mir erst klar, dass ich wieder meiner Angst und meinem Verstand gefolgt war, einfach weil das „logisch“ ist. Nun ja, so war die Bahnhofstraße tatsächlich bloß ein Übergang!

Das Herz kennt keine Logik, denn wenn es sie gekannt hätte, hätte ich heute immer noch keine Wohnung, in der ich jetzt tatsächlich alleine lebe! Mein Einkommen war zu der Zeit gerade einmal 450,- Euro, ja manchmal nicht mal das! Und hätte mich meine Vermieterin gefragt, was ich verdiene…niemals hätte sie mir die Wohnung gegeben. Es war Sympathie und sie hatte vergessen mich nach meinem Einkommen zu fragen! Und doch hat sie jeden Monat ihre Miete bekommen, und das wird sie auch in Zukunft!
Was bringt es einem, dem Herzen zu folgen?
Dem einen vielleicht nichts, weil er sich wohl fühlt in seiner Welt! Wenn alles da ist, genug Geld, ein Haus, ein schickes Auto und nichts fehlt, ist ja alles gut. Aber selbst da, kann sich eine Leere breit machen, kann muss aber nicht. Und ich verurteile auch niemand dafür, wie er sein Leben lebt. Ich hatte auch alles und ich fühlte mich lange Zeit auch sehr gut. Aber es tat sich immer mehr eine Lücke auf, die ich nicht „verstanden“ habe. Ja und eigentlich fange ich erst jetzt richtig an, zu „begreifen“, worum es ging und noch geht.

Alles was weggebrochen ist, all die Unsicherheiten, die sich in den letzten Jahren aufgetan haben, wie eine Schlucht, in die ich manchmal drohte, hineinzufallen, haben mich erst „sicher“ gemacht. Aber das ist keine äußerliche Sicherheit. Diese kommt vom Herzen und vom Vertrauen. Das klingt jetzt ein wenig so, als hätte ich keine „Tiefen“ mehr und würde wie ein Fels in der Brandung stehen. Nein, das auch nicht, aber ich lerne jeden Tag ein Stückchen mehr, was mir wirklich wichtig ist, was mich trägt und das ich tatsächlich vertrauen kann! Auch wenn ich trotzdem eben noch meine kleinen Unsicherheiten und Ängste habe. Aber das ist Kindergarten zu dem, wie es einmal war! Je mehr ich auf mein Herz höre, umso feiner wird das „Feintuning“. Ich habe in den fast 4 Jahren immer wieder erfahren, dass, wenn eine Türe zu geht, die nächste schon einen Spalt weit offen ist. Auch habe ich gelernt, das immer ein „Engel“(in Menschengestalt-andere habe ich nicht gesehen, was nicht heißt, dass auch sie bei mir waren) bei mir ist, der mir hilft, wenn ich in „Not“ bin. Es war noch nicht einmal anders! Es ist als würde alles „getan“ werden, wenn du beschlossen hast, dem Herzen zu folgen, dass du diesen Weg gehen kannst!

Der Verstand lockt dich natürlich immer wieder, will dich auf einen „sicheren“ Weg führen und dabei ist es manchmal nicht einfach. Denn ich kam auch oft an meine Grenzen und ich „brauchte“ auch zeitweilig Sicherheiten im Außen, um durchatmen zu können. Aber es war auch nur eine scheinbare Sicherheit, denn die lenkte mich wieder von dem ab, wofür mein Herz schlägt. So habe ich viele kleine Pausen gemacht, vom „Herzensweg“, die aber wiederum auch nötig waren, um zu erkennen, dass ich mich im Verstand befinde. Alles was nach Außen zu passen scheint, ist oft nicht im Einklang mit dem was wir im Inneren fühlen. Wie schon gesagt, Reichtum macht dich nicht reich und Armut nicht arm. Es ist das was du dabei fühlst! Sicherheit gibt es nur, wenn du sie fühlen kannst!
Dem Herzen zu folgen, schenkt dir Qualitäten, die du niemals mit dem Verstand erreichen kannst und liegt außerhalb der Logik! Alles was dir logisch erscheint und für dich schlüssig ist, tust du weil du etwas erreichen willst. Um zu….??

Das Herz schenkt dir die Freiheit! Die hättest du niemals verloren, hätte man sie dir durch Erziehung nicht genommen! Aber unsere Erziehung geht durch und durch…und dann nach vielen Jahren, müssen wir mühsam wieder verlernen, wer wir nie waren. Tragisch! Aber wer das für sich „will“, der wird es auch tun! Und das „will“ ist kein Wollen vom Verstand…es ist schon der Ruf des Herzens! Und der Ruf ist eine zu fühlende Lehre, die endlich gefüllt werden möchte.

Ja, und ich kann jeden Tag mehr fühlen, das ich keinen Grund brauche, glücklich zu sein! Ein Geschenk des Herzens! Wenn dieser Zustand eintritt, oder dich immer mehr und mehr erreicht, dann weißt du, dass der Weg nicht umsonst war und das du wirklich gut auf es gehört hast!

Das Herz gehört dem Inneren Frieden, der Verstand den Umständen „da draußen“, ja so könnte ich es beschreiben. Der Verstand analysiert, was um einen herum passiert und „zwingt“ dich zu einer Reaktion, manchmal wie ein Panikhuhn! 😀 Das Herz sieht wie draußen ein Sturm aufzieht und lehnt sich entspannt zurück, vertraut und beobachtet das Spektakel!
Der Verstand will Verbesserung, will mehr, will gleich…genau genommen könnte man sagen: Er will!!

Das Herz lebt die Freude, die Liebe und ist dankbar! Das kann der Verstand nicht! Eine Weile versuchte ich mich dankbar zu fühlen, obwohl ich nicht wusste, wofür ich dankbar sein sollte, weil alles so „schief“ lief. Ich kam in das Gefühl der Dankbarkeit und ich bekam die Wohnung, die ich mir so sehr wünschte! Aber es war anstrengend! Das war auch ein Prozess, das anzuerkennen, was gerade ist und doch dafür zu danken, was ich mir für die Zukunft wünschte…mit dem Herzen (Weil ich fühlen konnte, dass ich alleine sein muss, um mich wieder an mich anzunähern!) Und neulich kochte ich mein Abendessen und ich dankte für dieses leckere Essen, ich freute mich über meine Küche, einfach so und ich war dankbar, das mein Wohnzimmer so schön warm war…ohne darüber nachzudenken…ich fühlte es einfach in diesem Moment! Und da spürte ich erst, wie sehr ich meinem Herzen schon nahe gekommen bin!

Kurz gesagt: Der Verstand bringt dich zum TUN. Das Herz zum SEIN! Auf dem Weg zum SEIN, kann es hilfreich sein, Dinge zu tun, die dich glücklich machen, um dich überhaupt erst wieder einmal zu fühlen! Wie zum Beispiel, wenn es dir nicht gut geht, alles zu tun, damit es dir besser geht…auch ein Stückchen Schokolade 😀 zu essen, dich hinzusetzen, einen warmen Tee zu trinken, dir eine Kerze anzuzünden, was auch immer, wenn es dir hilft, dir selbst Nahe zu sein! Wenn du irgendwann bei dir angekommen bist, reicht es, du zu sein und mit dir zu sein! Das ist der Weg des Herzens! Und ich möchte keinen anderen mehr gehen, als diesen! Der wahre Reichtum ist, keinen mehr zu benötigen, um zu….

Kein Weg ist kostbarer und schöner, als der zu deinem Herzen, und dennoch ist es der längste und schwierigste, den du gehen kannst!
von ganzem Herzen wünsche ich dir, wenn du dich auf dem Weg befindest, das du bei dir ankommen mögest!

Deine Nicola
PS. Ein Spruch, den ich ganz wundervoll finde, ist aber nicht von mir: Du kannst das Leben nur vorwärts gehen, verstehen aber nur rückwärts!

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