Marie und die zwei Welten

Es war einmal ein kleines Mädchen mit dem Namen Marie. Marie war ein glückliches Kind und hatte Freude am Spielen. Ach, wie sie alle ihre Puppen liebte und mit ihrem Spiel zum Leben erweckte. Sie trank mit ihnen Tee und teilte ihr Brot mit ihnen. Eines schönen Tages, beschloss sie, einen kleinen Ausflug in den nahegelegenen Wald zu machen, um ihn ihren Puppen zu zeigen. Die großen alten Eichen spendeten ihr einen wohlwollenden Schatten und schützten sie vor der Sommerhitze, während das Licht der Sonne durch die Blätter ihren Weg bis zum Waldboden fanden und hier und da hell erleuchtete Inseln schuf.

Und so folgte sie mit ihren zwei Lieblingspuppen Lilly, ein kleiner getigerter Kater, und Ronja, das einem aus Stoff genähtem, kleinen, gut gelauntem Mädchen glich, den sandigen, weichen Weg in den tiefen Wald, wo die Vögel in den Baumkronen singend auf sie warteten. Als sie nun so unterwegs und schon eine Weile gegangen war, während sie Lilly und Ronja freudig auf all das aufmerksam machte, was ihr begegnete, bemerkte sie, wie ihr Magen grummelte und sie daran erinnerte, dass es Zeit war für eine Pause! So sagte sie zu ihren Puppen: „Ich wünschte ich hätte uns etwas zu essen mitgenommen!“ Sie ging noch ein paar Schritte weiter und fand einen ganz besonders schönen Platz um sich auszuruhen. Es waren 4 Steine, ein hoher, wie ein Tischchen und 3 kleine, genau richtig um darauf bequem Platz zu nehmen! Und, als ob der Wald den grummelnden Magen von Marie gehört hätte, war dort gleich auch ein Himbeerstrauch! Und als sie sich gerade ein paar Himbeeren pflückte, bemerkte sie noch die kleinen roten reifen Walderdbeeren und Blaubeerbüschel, voll und überladen, tief dunkelblau, genau richtig zum naschen. Lilly freute sich über diesen wundervollen Zufall und so nahm sie ihr Taschentuch, breitete es auf dem Stein aus, setzte Lilly und Ronja auf einen Stein, denn sie wollten beieinander sitzen und begann die köstlichen Früchte zu pflücken und sie für sich und ihre Freunde auf dem ausgebreitetem Taschentuch üppig aufzutürmen. Als nun das Tuch vollständig von köstlichen Beeren bedeckt war, setzte sie sich mit an den Tisch und begann, die Beeren gerecht auf alle zu verteilen! „Was für ein Fest“ dachte sie und die Augen leuchteten und sie strahlte über ihr Glück! Satt und zufrieden, breitete sie ihre kleine Decke auf dem weichen, sandigem Boden aus und nahm ihre Puppen in den Arm und legte sich mit ihnen auf sie. Sie schaute mit ihnen in den Himmel, der ihr durch zwei Baumwipfel, die sich teilten, offenbarte und schloss ihre Augen und fragte sich, ob sie immer so glücklich sein werde. Da kam eine kleine alte Frau vorbei, und Marie öffnete die Augen. Sie sah in ein etwas faltiges Gesicht und bemerkte ihr sanftmütiges Lächeln und ihre Augen strahlten nur so vor Liebe! Marie sagte freundlich: „Hallo“ und lächelte sie an! Und sie fragte: „ Wer bist du denn und wie heißt du?“ Die alte Frau, schloss kurz ihre Augen, als ob sie überlegen müsste, hatte wieder dieses wärmende Lächeln im Gesicht und antwortete leise und bedächtig: „Ich heiße Marie, und…“ weiter kam sie nicht, denn Marie war so begeistert, dass diese liebenswürdige Alte genau so hieß wie sie und unterbrach sie mit einem freudigen „oh wie schön, du heißt ja wie ich! Was für ein Zufall!“ Und sie strahlte, als hätte sie einen Schatz gefunden. Nun hatte sie jemand gefunden, den sie fragen könnte, ob sie immer so glücklich sein würde, wie jetzt! So stellte sie ihr die Frage mit großen staunenden Augen, und offenem Mund und konnte kaum die Antwort erwarten. „Nun“, begann sie mit sanfter Stimme zu sprechen und ihr lächelndes Gesicht veränderte sich ein wenig in ein Fragendes, denn sie überlegte, welche Worte für dieses kleine Mädchen recht wären, um es nicht zu erschrecken!“Nun“, sprach sie, öffnete die Augen, sich der Worte bewusst, die sie dem kleinen Mädchen geben wollte, setzte sie erneut an und lächelte wieder sanft: „Es hängt von dir ab! Ich will dir verraten, das du, wenn du alt bist, sehr sehr glücklich sein wirst! Weil du einen wundervollen Weg gegangen sein wirst!“Marie stutzte und fragte;“Aber was ist mit der Zeit dazwischen, bis ich alt bin?“Maries Kinderaugen schauten ein wenig ängstlich in die alten Augen, die zuversichtlich, wärmend und so liebevoll ihren Blick erwiderten! Sie wollte die Kleine nicht ängstlich sehen und so begann sie schnell weiter zu sprechen: „ Dein Leben wird voller Wünsche sein. Doch nicht ein jeder wird das Glück sein, das du dir in Wahrheit wünschst. Alle Wünsche sind nur dazu da, dich glücklich zu machen und doch wirst du das ein oder andere wählen, von dem du glaubst, dass es dich erfüllt. Und nach einer Weile wirst du merken, dass es dir nicht die erhoffte Freude geschenkt hat. Wir haben immer die Wahl, glücklich zu sein! Was du wählst, was deine Freude sein wird, ist oft von kurzer Dauer und du wirst dir etwas Neues wünschen, auf das es dich glücklich machen wird. Und so wird dein Leben eine Suche erfahren, immer auf der Suche nach dem Glück! Das kannst du so lange tun, bis du das wahre Glück findest!“ „Aber, was ist denn das wahre Glück?“ unterbrach sie Marie ungeduldig. „Du hattest vorhin hunger und wünschtest dir etwas zu essen und so wurdest du zu dem Himbeerstrauch geführt, zu den Erdbeeren und Blaubeeren. Jemand muss dich kennen, denn er wusste, dass dies deine Lieblingsbeeren sind.“ Marie verstand noch nicht ganz und schaute fragend und fordernd in die kleinen blitzenden Augen dieser weisen Frau. „Und du hast sie nicht für dich allein gewünscht“. Wieder unterbrach Marie freudig:“ Ja genau, Lilly und Ronja hatten ja auch hunger!“ Ein Lächeln huschte beiden über das Gesicht, während die Augen beider leuchteten. „Ja, so können wir sinnvolle Wünsche haben und welche, die weniger sinnvoll sind! So wünschen sich manche Menschen ein Haus und sind nicht zu Hause! Sie wünschen sich Freunde und sind es selbst nicht! Sie wünschen sich Freiheit und ketten sich am Geld fest! Sie wünschen sich Liebe und vergessen, selbst zu lieben! Und in all diesen Wünschen, die ihnen zwar alle erfüllt werden, erkennen sie nicht, dass sie nicht bereit dafür waren und nun werden sie es als Unglück sehen und alle anderen dafür verantwortlich machen.“ „ Aber, was heißt denn „sie waren nicht bereit“, das verstehe ich nicht“ platzte Marie dazwischen. Und der Kopf der alten Marie neigte sich sanft zur Seite, während ihr Blick in den Augen der kleinen Marie in voller Liebe ruhte, erhob sie ihre Hand, um ihr sacht über die Wange zu streichen! „Nicht bereit sein, heißt, sie haben nicht erkannt, dass sie bereits alles hatten, bevor der erste Wunsch ausgesprochen werden konnte!“ Und wieder unterbrach sie Marie fragend mit „aber ich hatte hunger weil ich nichts dabei hatte und wünschte mir und meinen Puppen etwas zu essen. Also hat mir doch auch etwas gefehlt, dass ich mir dann gewünscht habe!“ „Jetzt lachte das alte Mütterlein ein wenig und fuhr fort: „Du hast dich an das Wichtigste in dir gewandt: dein Vertrauen! Und so wurde dir der Wunsch vom Vertrauen erfüllt, vertrauen zu können“ Ihre etwas faltige Hand, weich und warm erhob sich, und sie legte sie auf Maries Brustkorb ab. Und Marie fühlte wie ihr Herz darunter zu hüpfen begann und ganz warm und freudig wurde. „Hier wohnt es, das Vertrauen! Und ihre Verbündeten sind die Liebe, die Freude, der Frieden und die Sicherheit! Und jedes mal, wenn du dir etwas wünschst, frage dich, ob das, was du dir wünschst, von einem deiner verbündeten Freunde im Herzen, erfüllt werden kann! Das sind deine Gaben, die dir schon immer gehört haben und für immer gegeben wurden! So frage dich, wenn du dir etwas wünschst, was möchte ich erfüllt bekommen? Wenn du dir ein Haus wünschst, um sicher zu sein, hast du deinen verbündeten Freund, die Sicherheit vergessen. Aber im Haus wirst du sie nicht finden und so kann es dir keine Sicherheit geben! Wünschst du dir etwas, das dir Freude bringen soll, hast du die Freude in dir vergessen und nichts kann zu dir kommen, was dir wahrhaft Freude schenken wird, wenn sie nicht zu Hause in deinem Herzen zu finden ist. Also, wenn du verstehst, das jeder deiner Wünsche bereits erfüllt ist, weil du alles in dir hast, verstehst du, dass das Vertrauen da ist, damit du vertrauen kannst, die Liebe um zu lieben, die Sicherheit dich sicher fühlen lässt, die Freude dich freudig macht und der Frieden dir Frieden schenkt! So ist alles, von dem du glaubst, es zu brauchen, eine Erinnerung daran, dass du eines deiner Gaben vergessen hast!“ Marie schaute noch etwas ungläubig und verstand noch nicht so recht, was ihr da gesagt wurde. „Ja aber schau mal, wenn ich meine Puppe im Wald verlieren würde, dann wäre ich doch sehr traurig, oder nicht?, fragte sie zögerlich nach. „Nun schau dir deine Puppe an“, forderte sie die Kleine auf und sprach sanftmütig mit ihr weiter: Du liebst, weil die Liebe in dir ist und damit du sie fühlen kannst, hast du dir diese Puppe ausgesucht! Und du liebst viele Dinge und in deinem Leben werden noch mehr hinzukommen. Wenn du alles festhalten willst, wird deine Liebe immer gebunden sein, an das was du hast und die Liebe wird fehlen, an den Dingen, die du nicht hast. So musst du die Liebe in dir bewahren und mit Liebe auf die Dinge schauen, ohne sie zu deinem Eigentum zu machen!
So wird es sich wandeln, was du beschließt zu lieben. Das einzige was immer da sein wird, ist die Liebe, alles andere verändert sich! So ist das einzige, was du dir bewahren musst, die Liebe! Bewahre dir die Liebe immer getrennt von Dingen auf, sonst wirst du Schmerz erleiden, wenn du scheinbar etwas verlierst, von dem du denkst, dein Herz würde daran hängen! Und so kannst du dir die Liebe aufbewahren: Liebe alles, diesen Wald, jeden Baum darin und einen jeden Vogel. Liebe deine Freunde, liebe dein Zuhause, liebe einfach alles und bewahre die Liebe davor, irgend etwas für dich besitzen zu wollen, denn dafür musst du deine Freiheit und deine Freude opfern“. Marie grübelte über die Worte nach und sah sichtlich angestrengt aus! Doch dann hellte sich ihr kleines Gesicht auf und ein begeistertes Lächeln breitete sich aus! „Ich glaube Marie, ich verstehe“, strahlte sie die alte Frau an und fügte, noch etwas nachdenklich, hinzu „Also gut, ich liebe diesen Wald und ich liebe diese Puppen, richtig? Und wenn ich den Wald nicht mehr habe, oder meine Puppen, darf ich nicht traurig sein!“ Und dann legte sich ihre Stirn erneut in Falten und fragte nach „Aber wie mache ich das? Ich werde doch traurig sein, wenn ich nicht mehr in den Wald gehen kann, wenn er nicht mehr da ist!“ Und geduldig antwortete sie der kleinen, etwas verunsicherten Marie: „Schließe mal die Augen“ und während sie das sagte, saßen beide da und verbargen den Blick der Welt vor ihrer Sicht. Sie waren still und die große Marie fragte die kleine Marie, was sie jetzt sehen könnte! „Oh“ sagte Marie ganz aufgeregt, ich sehe ganz viele Farben und sie leuchten so schön!“ „Und? Kannst du den Wald sehen, deine Puppen, mich und alles was um dich herum ist?“ „Ja“, rief Marie begeistert! „Und Mama und Papa sind auch da, schau dort sitzen sie und lachen!“ „Du hast den Wald, deine Puppen und alles was du siehst, in dein Herz geholt! Der Wald mag außerhalb von dir sein, aber erst die Gefühle machen ihn lebendig IN DIR! Hier ist alles sicher in Liebe aufbewahrt! Hier fühlst du dich geborgen, in Sicherheit. Hier fühlst du die Freude über all das! Wo könnte jetzt noch etwas sein, was du haben willst, wenn du es doch die ganze Zeit bei dir haben kannst?“ Marie öffnete die Augen, schaute sich um, schloss sie wieder und wiederholte dies einige Male! Die alte Marie lachte leise, denn sie wusste, dass Marie versuchte, diese 2 Welten zu verstehen! „Ja, es sind 2 Welten und die echte von beiden ist in dir! Erst deine Gefühle machen alles lebendig!“ Marie wechselte immer wieder, Augen auf, Augen zu, wie als würde sie mit einem Lichtschalter spielen und fühlte dem nach, was sie in beiden Welten erfuhr! Dann lachte sie laut und sagte, sie könne einen Troll sehen hinter einem Stein versteckt. Er hatte einen ganz blauen Mund, weil er sich die Blaubeeren in seiner Hand auftürmte und sie alle auf einmal in den Mund stopfte! „Ja, siehst du, so fühlst du die Freude, die in dir steckt und nur da kann sie sein! Und du fühlst den Wald mit deiner Liebe! Und so ist das Leben! Suche nichts außerhalb von dir, dass dich glücklich macht, weil alles nur in deinem Herzen ist! Und hier kannst du leicht auf Irrwege geführt werden. Wenn du etwas siehst, außerhalb von dir, nimm es nicht zu dir herein, wenn es nicht Liebe, Freude oder Glück und Sicherheit ist! Das ist der Schlüssel, dir dein Leben in voller Schönheit zu bewahren!“ Marie hielt wieder inne und sah diese alte Frau fragend an: „Bist du glücklich? Konntest du dir deine Freude im Herzen bewahren?“ Und das Mütterlein begann zu erzählen: „ Als ich so alt war wie du, war ich sehr glücklich! Doch dann sagten sie mir, dass dies nicht immer so sein werde und so hielt ich Ausschau nach diesen Dingen, vor denen sie mich das Fürchten lehrten. Und hier begann eine schwere Zeit für mich. Denn so wie ich Ausschau hielt, so kamen die Dinge zu mir, die ich nicht wollte, dass sie kamen und doch kamen sie. Aber auch das hatte etwas Gutes! Denn so, wie die Dinge in mein Leben kamen, die ich nicht wollte, bemerkte ich, dass ich alles haben kann und es nur auf meine Wahl ankommt! Als ich genug von den Dingen hatte, die in mein Leben kamen und es beschwerten, entschloss ich mich, wieder auf die Liebe in meinem Herzen zu hören und nur ihr zu folgen! Und so begann ich alles zu lieben, was in mein Leben kam, mit dem Wissen, dass alles nur der Liebe dient! Entweder um sie wiederzufinden oder sie zu erhalten! Und nun“, lächelte die alte weise Frau, strich der kleinen Marie noch einmal zärtlich über ihre Wange und beendete ihre Weisheit mit den Worten: „und nun bin ich eine kluge alte Marie und ich bin als du zu dir gekommen, aus der Zukunft, um dich daran zu erinnern, dass nur die Liebe mit dir geht, wenn du sie einlädst, pflegst und hütest! Und nun, da ich diese Worte mit dir geteilt habe, werde ich noch glücklicher sein, weil du jetzt weißt, dass du all die Erfahrungen, die ich gemacht habe, nicht mehr machen musst, weil du jetzt schon die Weisheit der Liebe in dir trägst und sie dich vor allem bewahren wird, vor den Dingen, die du nicht willst, dass sie zu dir kommen mögen! Denn auch das ist ein Geheimnis, das uns nicht erzählt wurde und das ich jetzt auch nicht vor dir verbergen möchte: Nichts, was du nicht willst, kann zu dir kommen!“ „Aber du hast doch gesagt, dass Dinge zu dir kamen, die du nicht wolltest?!“ platzte es aus Marie heraus. „Ja, weil ich anderen glaubte, die mir sagten, ich müsste noch etwas werden, was ich noch nicht bin! Ich sollte erwachsen werden und dazu gehört es, so zu sein, wie Erwachsene sind. Und Erwachsene sind Kinder, die aufgehört haben zu spielen, im Glauben, um Erwachsen zu werden, dass Spielen vergessen zu müssen! So vergaß auch ich zu spielen und lernte den „Ernst des Lebens“ kennen, weil ich meinte, dass ich das wählen müsste! Ich glaubte, dies sei wichtig! Nichts könnte weiter von unserer Wahrheit entfernt sein, als das für uns anzunehmen! Marie, spiele dein Leben, erschaffe dir Freude indem du Freude fühlst, erschaffe dir Liebe, indem du einfach liebst, erschaffe dir Sicherheit, in dem du dich sicher fühlst und erschaffe dir Frieden, wann immer du ihn fühlen willst! Die Liebe ist immer in uns und wenn wir sie geben, kommt sie immer wieder zurück zu uns, in all möglichen Formen! Gib was du für dich haben möchtest und so ist für alle mit Liebe gesorgt und hier und nur hier, hast du ein Bündnis mit der Liebe geschlossen, die wir so sehr für uns wollen! Und um bedingungslos geliebt zu werden, werden wir genauso bedingungslos lieben müssen, um sie in uns zu erfahren! Wenn jemand dich auffordert mit dem Spielen aufzuhören und endlich erwachsen zu werden, so sag ihm, er soll sich zu dir setzen und mit dir spielen, höre nie auf zu spielen und werde nicht erwachsen!“ Und mit diesen Worten umarmten sie die zierlichen Arme der alten Frau das Kind mit einer Liebe, die nicht von dieser Welt war, so tief und rein, so wärmend und lebendig und Marie fühlte diese Kraft der Liebe und sie begriff, dass jedes Wort, was ihr die liebevolle alte Marie da von ihr erzählte die einzige Wahrheit war!
Die weiß leuchtenden Haare kitzelten Marie‘s Nase und sie rieb sie sich. Doch es waren gar nicht die Haare der alten Marie…es waren die Haare von Lilly! Sie hatte sie fest in ihrem Arm gehalten und sie an ihr Gesicht gedrückt! Die hellen Sonnenstrahlen vielen ihr ins Gesicht, die Vögel zwitscherten und sie lag auf der Decke, die sie ausgebreitet hatte! Sie schaute Lilly und Ronja an, setzte sich auf und verstand erst einmal nicht, was geschehen war! Wo war dieses liebe Mütterchen? Warum war sie jetzt weg, gerade hatten sie sich doch noch in den Armen gehalten!? Hatte sie das alles geträumt? Aber es war doch so lebendig und hat sich so warm und wohlig angefühlt, sie in ihrer Nähe zu haben! In diesem Moment fiel ihr wieder ein, wie sie die 2 Welten erlebt hatte…die mit offenen und die mit geschlossenen Augen! Beide wahren da und doch ist nur die innere Welt wahr, erinnerte sie sich an die weisen Worte von der alten Marie. Und so begann sie wieder die Augen zu öffnen und zu schließen und zu fühlen. Mit geöffneten Augen sah sie keine alte Marie mehr, sie war einfach weg! Aber innen fühlte sie sie noch, und wie sie sie fühlte! Ja die ganze Liebe, die zwischen ihnen floss und sie kam, um zu bleiben! Wie schön sich das anfühlte! Eine Welle der Sicherheit, Frieden, Freude und Liebe füllte Marie‘s kleines Herz! Und da verstand sie, wovon ihr Marie aus der Zukunft erzählt hatte! Genau das war es! So strahlte sie ihre Ronja und Lilly an und rief freudig: „Es ist NUR in mir!“ Dann verstummte sie und fühlte noch einmal, und versuchte ihren zwei Stoffgefährten zu erklären, was sie glaubte, verstanden zu haben: „Alles wird erst lebendig, wenn ich fühle! Das Gefühl selbst ist es, dass alles erst wahr macht! Ich kann mich traurig fühlen, wenn ich euch verliere, dann habe ich aber die Freude vergessen, die doch immer bei mir ist! Und wenn ich mich über euch freue, dann ist es nur das Gefühl, was ich fühle! Also muss ich mich nur an die Freude erinnern, wenn ich traurig bin! Wenn ich euch nicht verlieren will, werde ich traurig sein. Und wenn ich euch einfach liebe, weil ich die Liebe fühlen will, die in meinem Herzen ist, kann ich nicht traurig sein, weil da nichts anderes ist, als die Freude über euch, meine kleine Lilly und liebe kleine Ronja! Nur in meinem Herzen kann ich euch sicher und für immer bewahren!“ Sie drückte ihre zwei Freunde ganz fest an sich und hielt noch einmal Ausschau nach Marie, doch war sie nicht mehr zu sehen.
Ein Schmetterling wollte gerade an ihr vorbei fliegen und flatterte ihr erst ein wenig aufgeregt um die Nase und entschloss sich dann auf Maries Hand eine kleine Pause einzulegen. Wie wunderschön er war, dieser Schmetterling und sie hielt die Hand ganz still, auf das er sich nicht erschrecken sollte! So waren alle einen Augenblick still und in Liebe versunken, auch die kleine Lilly und Ronja hatten es sich auf der Decke bequem gemacht, um diesen Augenblick noch einmal mit der Liebe zu füllen, die sie gerade fühlten!
Der bunte Schmetterling flog auf Maries Nase und Marie schielte noch einmal mit einem Lächeln auf ihn und dann flog er davon! Marie schloss wieder kurz ihre Augen und fühlte, wie dieser Schmetterling direkt in ihr Herz flatterte uns sich seinen Platz darin suchte. Es floss noch mehr Liebe durch ihr kleines Herz und sie war durchdrungen von einer Güte und Wärme, die sie noch nie so gefühlt hatte. Sie nahm Lilly und Ronja in ihre Arme, drückte sie noch einmal ganz fest an sich und sprach zu ihnen: Ihr seid für immer in meinem Herzen und nur hier können wir uns so frei lieben! Sie nahm das Taschentuch, schaute sich um, ging zu einer wunderschönen großen Eiche, deren Wurzeln geschwungen halb über der Erde waren und dann doch im tiefen Erdreich ihren Weg nahmen und breitete das Taschentuch zwischen zwei Wurzeln aus, die sich am Stamm teilten und einen schützenden Platz boten. Sie küsste die beiden noch einmal ganz zärtlich und setzte sie auf das Taschentuch und deckte sie ein wenig damit zu, damit sie nicht frieren sollten, wenn die Nacht kam. „Jetzt seid ihr frei und ich werde morgen wieder kommen, euch besuchen und auf eure Abenteuer gespannt sein, von denen ihr mir bestimmt gerne berichten werdet! Und ich werde euch erzählen, was ich erlebt habe!“ Sie kniete nieder, um Lilly noch einmal durchs Fell zu kraulen und Ronja sanft über ihre leicht zerzausten Haare zu streichen, winkte ihnen ein letztes mal für diesen Tag und ging leichten Herzens den sandigen, weichen Weg wieder nach Hause und fühlte all diese Liebe, die sie jetzt im Herzen finden konnte, für alles! Und Marie ging nicht allein…
Etwas kitzelte Marie an der Nase und sie öffnete ihre Augen! Ihre langen lockigen grauen Haare, bedeckten fast das ganze Gesicht und so sah sie ihre Umgebung wie durch einen Vorhang. Sie strich sich erst einmal die Haare aus dem Gesicht, um sich zu erinnern, wo sie war, denn sie hatte so einen wundervollen Traum, der sie scheinbar in eine ganz andere Welt geführt hatte! Oh, jetzt erinnerte sie sich wieder an den Traum, den sie geträumt hatte und konnte den Wald fühlen, indem sie war! Den Duft der Bäume und vom sandigen Boden , die leichte warme Brise, die ihr Gesicht sanft berührte, die kleinen sonnigen Inseln, die sich durch die Sonnenstrahlen am Boden bildeten, die sich ihren Weg durch die Blätter der Baumwipfel suchten! Und die kleine Marie, mit ihren Puppen und sie fühlte diese Liebe, die sie miteinander verband! Ihr Herz wurde warm vor Liebe und sie legte die Hand auf es, um es noch mehr fühlen zu können und schloss ihre Augen dabei, um sich an jedes Detail dieses Traumes noch einmal ganz genau zu erinnern! Was für ein Traum, dachte sie, ihr Herz quoll über vor Liebe! Sie öffnete die Augen. Sie lag noch in ihrem warmen Bett, in eine weiche weiße Decke gehüllt und ihr Kopf ruhte auf einem Kissen mit winzigen kleinen Blümchen darauf, das an eine Blumenwiese erinnerte. Die Sonnenstrahlen fanden ihren Weg in den Raum und durchfluteten ihn in einem sanften Licht, das sich anfühlte, als käme es direkt aus himmlischen Sphären! Es sah alles so unwirklich aus, so wunderschön, sanft, es war, als ob die Liebe sich ausbreitete, alles erfasste und mit der Liebe in Maries Herz verschmolz! Marie seufzte tief, sie war so sehr berührt von diesem Moment und sagte leise: „Ja, kleine Marie, dein Leben wird fantastisch sein und mit jedem Tag der dazu kommt, wird es schöner und schöner!“ Sie lächelte und eine kleine Träne der Freude lief über ihr faltiges und so liebevolles Gesicht!
Auf dem Regal, gegenüber vom Bett, schauten sie 2 Augenpaare an….Ronja und Lilly. Etwas zerschlissen von der Liebe, denn sie wurden überall mit hin genommen und viel im Arm gehalten, gedrückt, geliebt und es war nicht zu übersehen, dass sie viele Abenteuer erlebt hatten! Doch in Maries Herz waren sie unversehrt schön! Sie hatte tatsächlich alles in ihr Herz genommen und es dort sicher aufbewahrt! Es waren viele Menschen in ihr Leben gekommen und auch wieder gegangen, und ein jeder wurde um der Liebe willen geliebt. Sie wusste, um die Liebe zu bewahren, gibt es nur einen „Ort“!
Und Marie begann zu lächeln, denn sie hatte ein sonderbares Gefühl….hatte sie diesen Traum nicht schon einmal vor langer Zeit geträumt?

2 Gedanken zu „Marie und die zwei Welten“

    1. Liebe Angelika, ich hatte so viel Freude beim Schreiben und die Marie wurde immer lebendiger in mir! Es freut mich, dass du dich so hast berühren lassen von dieser Geschichte! :*

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